Wie kalt ist die Nordsee vor Niedersachsen im Winter?
+
Die Nordsee liegt in den Wintermonaten typischerweise bei etwa zwei bis sechs Grad, das Minimum wird meist im Februar mit Werten um drei Grad erreicht. Vor Borkum bewegen sich die Werte zu Jahresbeginn ungefähr zwischen drei und acht Grad, je nach Wetterlage und Wasserkörper. Weil die Nordsee stark durchmischt ist und Tidenströme ständig Wasser austauschen, fällt sie seltener so nah an den Gefrierpunkt wie flache Binnenseen. Gefühlt ist es an der Küste trotzdem härter, weil Wind und nasser Sand nach dem Ausstieg schnell auskühlen.
Was muss man beim Baden in der Nordsee wegen der Gezeiten beachten?
+
Das ist der wichtigste Unterschied zu einem See: Ebbe und Flut verändern den Wasserstand und erzeugen kräftige Strömungen, besonders in Prielen und an Buhnen. Geh nur bei auflaufendem oder ruhigem Wasser hinein, nie bei ablaufendem Wasser in einen Priel, und prüf vorher den Gezeitenkalender des jeweiligen Ortes. Halte dich an die Strandabschnitte, die für die Neujahrsschwimmen genutzt werden, etwa vor der Meeresterrasse in Norddeich oder am Weststrand auf Norderney, und geh nicht weiter als bis dorthin, wo du stehen kannst. Im Winter ist keine Wasserrettung im Dienst, deshalb gilt Vorsicht vor Ehrgeiz.
Friert die Nordsee oder das Wattenmeer zu?
+
Die offene Nordsee friert praktisch nicht zu, weil Salzgehalt, Tide und ständige Durchmischung das verhindern. Im Wattenmeer kann sich bei längerem Frost dagegen Eis bilden, meist als Treibeis und Schlickeisschollen, die mit der Tide wandern. Solche Schollen sind gefährlich, weil sie sich bewegen, scharfe Kanten haben und nicht tragen. Wenn Eis im Wasser treibt, solltest du nicht hineingehen - die Binnenseen im Landesinneren sind dann die bessere Wahl.
Wie kalt werden die Binnenseen in Niedersachsen im Winter?
+
In niedersächsischen Baggerseen und Badeseen liegen die Wintertemperaturen typischerweise bei etwa null bis vier Grad. Flache, großflächige Gewässer wie das Steinhuder Meer kühlen besonders schnell aus und bekommen in kalten Wintern eine Eisdecke, ebenso kleinere Teiche wie der Herzberger Teich bei Goslar, der als historischer Kunstteich des Bergbaus im Tal zwischen Herzberg und Rammelsberg liegt. Tiefere Kies- und Baggerseen wie der Silbersee in Langenhagen, der Heidbergsee in Braunschweig oder der Lohner See halten sich länger offen. Fließgewässer wie die Ilmenau bei Lüneburg frieren wegen der Strömung meist gar nicht zu.
Welche Neujahrsschwimmen gibt es an der niedersächsischen Küste?
+
Der 1. Januar ist an der Nordsee der große Termin. Auf Borkum lädt die DLRG ab zwölf Uhr, Treffpunkt ist das Vereinshaus am Middelhüsche; auf Juist startet das Neujahrsschwimmen um zwölf Uhr am Erlebnisbad TöwerVital, auf Norderney um zwölf Uhr am Weststrand. Auf dem Festland wird in Norden-Norddeich ab halb zwölf an der Meeresterrasse gebadet, in Cuxhaven-Duhnen ab halb elf am Strand vor dem Thalassozentrum ahoi!, dazu kommt das Neujahrsanbaden an der Nordseelagune in Burhave. Im Binnenland gibt es unter anderem das Neujahrsanbaden an der Badeinsel Steinhude.
Was ist das Besondere an der Nordseelagune in Burhave?
+
Die Lagune in Butjadingen-Burhave ist ein künstlich angelegtes Badegewässer direkt hinter dem Deich und damit tidenunabhängig nutzbar. Für Winterbaden heißt das, dass man nicht auf Ebbe und Flut achten muss und der Wasserstand beim Einstieg bekannt ist - ein deutlicher Vorteil gegenüber dem offenen Wattenmeer. Der Einstieg ist berechenbarer und der Bereich überschaubar, was gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger sicherer ist. Als flaches, abgeschlossenes Gewässer kann die Lagune bei Dauerfrost allerdings eher Eis bilden als die offene Nordsee.
Ist Eisbaden in Niedersachsen überall erlaubt?
+
Das Baden in oberirdischen Gewässern ist im Rahmen des Gemeingebrauchs grundsätzlich zulässig, aber es gibt zahlreiche örtliche Einschränkungen. Nicht gebadet werden darf in Bundeswasserstraßen im Bereich von Schifffahrt, Häfen und Schleusen, in Wasserschutzgebieten sowie in Schutzzonen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. An offiziellen Badestellen wie dem Heidbergsee in Braunschweig gilt eine eigene Badeordnung, die auch außerhalb der Badesaison zu beachten ist. Prüf die Beschilderung vor Ort; an Seen mit Naturschutz- oder Vogelschutzflächen gelten im Winter oft strengere Regeln als im Sommer.
Gibt es in Niedersachsen Gruppen oder Kurse zum Mitmachen?
+
Ja, und das Angebot ist über das Land verteilt. Team Frost in Meppen wurde 2019 vom Sporttherapeuten und Eisbade-Coach Arne Fischer gegründet und trifft sich in der kalten Jahreszeit regelmäßig, die Goslarschen Robben baden am Herzberger Teich, und am Lohner See ist die Gruppe Eis und Nicebaden aktiv. Am Silbersee in Langenhagen gibt es Eisschwimmen samt dem Silbersee-Ice-Cup, am Heidbergsee eine Eisschwimmer-Gruppe und am Woldsee in Bad Zwischenahn eine Winterschwimmgruppe aus Oldenburg. Besonders anfängerfreundlich ist der VHS-Kurs Kaltwasserschwimmen in der Ilmenau in Lüneburg, der auf höchstens sechs Teilnehmende begrenzt ist.
Wann beginnt und endet die Eisbade-Saison in Niedersachsen?
+
Die meisten Gruppen starten im Oktober oder November und baden bis März oder April. An der Küste ist die Saison eng an die Veranstaltungen gekoppelt, deren Schwerpunkt auf dem 1. Januar liegt, während die Binnengruppen den ganzen Winter durchlaufen. Die kältesten Wochen sind Januar und Februar; das Wasserminimum der Nordsee liegt allerdings erst im Februar, weil das Meer der Lufttemperatur nachläuft. Wer die Kältegewöhnung über den Herbst aufbaut, kommt im Hochwinter deutlich besser zurecht.
Welche Ausrüstung ist in Niedersachsen sinnvoll?
+
An der Küste sind Neoprenschuhe, Neoprenhandschuhe und eine warme Mütze die Grundausstattung, dazu ein Bademantel oder Badeponcho, unter dem man sich im Wind umziehen kann. Weil der Wind an Nordseestränden das eigentliche Problem ist, gehören winddichte Oberbekleidung und eine Sitzunterlage dazu. An den Binnenseen reicht oft weniger, Badeschuhe sind aber wegen schlammiger oder steiniger Einstiege trotzdem hilfreich. Leg die Wechselkleidung vor dem Bad in der richtigen Reihenfolge bereit - nach dem Ausstieg funktionieren die Hände kaum noch.
Wo kann man sich nach dem Baden aufwärmen?
+
An den Küstenorten liegen Bäder und Wellnesshäuser häufig direkt am Startpunkt, etwa das Thalassozentrum ahoi! in Cuxhaven-Duhnen oder das TöwerVital auf Juist, und die Promenaden bieten Gastronomie in Gehweite. Im Binnenland arbeiten die Gruppen meist mit Thermoskanne, trockener Kleidung und Bewegung. Dusch nicht sofort heiß, sondern wärm dich langsam von innen und über trockene Schichten auf. Der Afterdrop, also das weitere Absinken der Körperkerntemperatur, setzt erst einige Minuten nach dem Ausstieg ein und ist der Grund für die meisten Schwächeanfälle.
Ist Eisbaden allein gefährlich?
+
Ja. Der Kälteschock in den ersten Minuten löst einen unkontrollierten Atemreflex aus, den auch geübte Schwimmer nicht steuern können, und er kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Danach droht Unterkühlung, die erst die Feinmotorik und dann die Schwimmfähigkeit einschränkt. An der Küste kommt hinzu, dass im Winter keine DLRG-Wachstationen besetzt sind und Hilfe länger braucht. Geh deshalb nie allein hinein, verabrede eine feste Zeit an Land und steig spätestens beim ersten Zittern aus.